16 Millionen für die Digitalisierung des öffentlichen Nahverkehrs in Deutschland bis 2019

Der deutsche öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) soll papierlos werden, meldet Golem. Möglichst schon bis 2019. Insellösungen sollen dabei verschwinden. Man soll dann Fahrscheine überregional buchen und nutzen können. Dafür stellt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bis 2018 16 Millionen Euro bereit. Gleich zwei elementare Dinge lassen sich daran kritisieren: die Höhe der Investition und die Erstellung von Bewegungsprofilen.

So klingt es fragwürdig, ob man mit 16 Millionen Euro binnen drei Jahren den gesamten deutschen Nahverkehr papierlos machen kann. Dafür müsste weit mehr Geld in die Hand genommen werden. Fairerweise muss man sagen, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt auch nur davon spricht, die Digitalisierung und Vernetzung im Nahverkehr „voranzubringen“, nicht papierne Fahrscheine komplett zu ersetzen.

Erstaunlich ist derweil, wie das Ministerium von der Erstellung von Bewegungsprofilen spricht, als wäre das ein Segen. O-Ton Alexander Dobrindt:

„Dazu brauchen wir deutschlandweit nutzbare Mobilitätsplattformen, die überregional und länderübergreifend Fahrgastinformationen verknüpfen und die Buchung von eTickets ermöglichen.“

Fraglich, ob zwingend Fahrgastinformationen dabei verknüpft werden müssten (welche eigentlich?) und ob es nicht ausreichen würde, lediglich ein Ticket nicht personalisiert von A nach B zu buchen. Wobei A und B durchaus in verschiedenen Tarifgebieten und Bundesländern liegen dürften.

„Hübsche“ Bewegungsprofile

Hin und wieder wunder man sich über Deutschland. In Ländern wie Singapur ist es bereits seit Anfang des Jahrtausends möglich, das lokale Nahverkehrssystem mit einer Chipkarte zu nutzen, die man beim Einsteigen sowie beim Aussteigen über einen Scanner hält. Das System bucht dann auf Basis von Entfernung und Zeit den Fahrpreis ab. Eine solche Karte kann man ohne personalisierten Nachweis kaufen. Bewegungsprofile können dabei zwar erstellt, aber nicht personalisiert werden.

In Deutschland scheint das nicht so einfach möglich zu sein, zugegenebenermaßen auch der föderalen Struktur geschuldet. Auf der anderen Seite wird man das komplette Ticketsystem des Nahverkehrs nicht revolutionieren können, wenn man nur 16 Millionen Euro dafür in die Hand nimmt. Trotzdem: die Abkehr vom papiernen Fahrschein ist richtig und überfällig. Gut, dass also jetzt zumindest ein bisschen was getan wird.

Beitragsbild: Pimlico Badger unter CC-Lizenz BY-SA 2.0

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