Adobe: Bilder mit Hilfe einer Sprachsteuerung aufhübschen (macht noch keinen intelligenten Assistenten)

Adobe führt in einem Teaser die Möglichkeit vor, das Bildbearbeitungsprogramm Lightroom per Sprache zu steuern. Rahmen anlegen, Bild spiegeln oder aufhellen, alles im Prinzip möglich, ohne Maus oder Trackpad dafür zu bemühen.

Adobe ist umtriebig dieser Tage. Und es geht weg von immer weiteren Effekten hin zu vereinfachten Steuerungen. Kürzlich habe ich euch an dieser Stelle erst Adobe VoCo vorgestellt und damit die Möglichkeit, die Stimme einer Person beliebige Texte nachsprechen zu lassen. Neu ist nun die Funktion, Bildbearbeitungsprogramme per Sprache zu steuern.

In einem Demo-Video zeigt ein Adobe-Tüftler, wie er die Möglichkeit in dem Bildbearbeitungsprogramm Lightroom anwendet. Einen Rahmen zeichnen, das Bild drehen … oder nein, lieber doch nicht, einen Schritt zurück und dafür das Bild aufhellen. Alles möglich mit dieser Software:

Bisher hat Adobe die Sprachsteuerung noch nicht in Lightroom oder anderen Projekten implementiert. Aber das könnte sich in absehbarer Zeit ändern. Praktisch wäre das alle Male für Menschen, die nicht so fingerfertig mit Maus oder Touchscreen sind und mit den immer zahlreicher werdenden Sprachassistenten besser kommunizieren können. Adobe erklärt, die Spracherkennung passe sich natürlich der jeweiligen Stimme an und könne entweder lokal oder cloudbasiert installiert werden.

Wirklich intelligent?

Im Begleittext zum Video nennt Adobe die Funktion einen „intelligenten Assistenten“. Aber ganz ehrlich: Das sehe ich nicht so. Im Video kann die Sprachsteuerung nur einfache Befehle ausführen. Sie macht keine eigenen Vorschläge und scheint auch das gewöhnliche Nutzerverhalten nicht mit einzubeziehen. Hellt der Anwender für gewöhnlich seine Bilder auf oder schneidet er sie immer auf 1.200 Pixel Breite zurecht? Wenn das Programm ihm das gleich anbieten oder proaktiv umsetzen würde – das wäre intelligent.

Melanie Dahrendorf betitelt einen Titel dazu drüben bei t3n mit der cleveren Überschrift: „Photoshop, lass fünf Kilo verschwinden!“ Aber eben das scheint das Programm derzeit noch nicht zu können. Komplexe Bearbeitungen, Objekterkennungen oder automatisches Entfernen von Unebenheiten. Zumindest jetzt sieht es so aus, als wäre das noch Zukunftsmusik für das Tool. Und deswegen stellt sich auch die Frage, ob die Sprachsteuerung Anwendern besonders viel Zeit spart.

Derzeit kommen viele persönliche Assistenten und vermeintliche künstliche Intelligenzen auf den Markt. Nicht wenige davon sind nur eine bessere Sprachsteuerung mit Zugriff auf eine Menge von Apps und der mehr oder weniger klugen Verknüpfung der Informationen aus solchen. Es ist schon eine starke Entwicklung, wenn eine Sprachsteuerung auch den Kontext versteht. Wenn man etwa nicht zwingend den Befehl „resize“ verwenden muss, sondern das Programm es auch versteht, wenn man „shrink this picture“ versteht. Aber besonders intelligent ist das alleine noch nicht.

Das Thema Sprachsteuerung für Anwendersoftware ist auf jeden Fall spannend und bietet enorme Möglichkeiten. Aber lasst euch kein X für ein U vormachen: Nicht alles davon ist wirklich intelligent. Und mittlerweile werde ich das Gefühl nicht los, dass das Feld der vermeintlich künstlichen Intelligenz noch eine Bauchlandung hinlegen wird. Wir werden sehen.

Bild: Adobe

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