Cellink: Menschliche Organe aus dem 3D-Drucker

Hier wird's langsam gruselig: Der schwedische Biotechnologie-Anbieter Cellink hat einen 3D-Drucker vorgestellt, der menschliches Gewebe drucken soll. Organteile oder ganze Knochen sollen sich damit aus der Maschine reproduzieren lassen. Das Unternehmen selbst vergleicht seine Technik etwas scherzhaft mit Dr. Frankenstein.

Im Gartner Hype Cycle ist das Thema 3D-Druck wieder etwas aus der Aufmerksamkeit gerutscht. War eine Zeitlang interessant, aber die Technik noch nicht wirklich fit für einen Massenmarkt. Das Thema ist damit aber noch lange nicht vom Tisch, es ist nur ein wenig aus der Aufmerksamkeit der Menschen verschwunden. Aber es wird wiederkommen, garantiert. Vor allem durch besondere Verfechter der Technik wie Cellink.

Du brauchst ein Herz? Ich druck dir schnell eins aus!

Cellink aus Göteborg in Schweden ist nicht irgendein Hersteller von 3D-Druckern. Er stellt 3D-Biodrucker her, die nichts weniger können sollen als menschliches Gewebe zu drucken. Knochen, Knorpel, Organteile oder ganze Organe wie Haut, ein Herz oder eine Leber soll der 3D-Biodrucker Bio X drucken. Die erfahrenen Kollegen von 3Ddruck.com nicken das Ganze als einfache Produktmeldung ab. Der Bio X vom Cellink ist demnach nur der Nachfolger des 3D-Biodruckers Inkredible aus gleichem Hause, der auch schon Gewebe drucken konnte. Ein paar Extras hat die neue Bio X-Maschine mehr, kosten soll sie auf dem Weltmarkt 39.000 US-Dollar. Meldung beendet.

Cellink Bio X: 3D-Biodrucker für 39.000 US-Dollar druckt auch ganze Organe aus.
Cellink Bio X: 3D-Biodrucker für 39.000 US-Dollar druckt auch ganze Organe aus.

Aber halt mal. Wir reden hier nicht von einem 3D-Drucker, der Gegenstände wie Schlüssel, Überraschungsei-Figuren oder Turnschuhe ausdrucken kann. Es ist menschliches Gewebe. Ganze Organe kann der Drucker ausspucken. Auf der eigenen Website erwähnt Cellink einen gewissen Viktor Frankenstein. Ein interessanter Vergleich.

Frankensteins Drucker?

Nun, ganz so weit, dass er ganze Menschen Stück für Stück in der Maschine produzieren kann, ist der Cellink Bio X noch nicht. Aber einzelne Organe sollen möglich sein. Wie macht die Maschine das? Laut Cellink lag die Herausforderung darin, Mikro- und Makrostrukturen menschlichen Gewebes getrennt voneinander zu betrachten und zu rekonstruieren. Und dann kommt es auf die „Biotinte“ an, also das, womit der 3D-Drucker druckt. Im Falle eines 3D-Biodruckers sind das Biopolymere wie Collagen, Gelatin, Hyaluronsäure, Seidengewebe, Alginat und Nanozellulose. Cellink stellt diese her und verwendet sie auch in den eigenen 3D-Biodruckern. Das Unternehmen ging in Rekordzeit an die Börse und wurde mehrfach überzeichnet.

Der neue Cellink Bio X-Drucker soll besonders anwenderfreundlich sein – wichtig offenbar für Grobmotoriker wie Dr. Frankenstein. Die Temperaturen der Druckköpfe sollen sich anpassen lassen, um temperaturanfällige Polymere nicht zu zerstören und so die Vielseitigkeit des druckbaren Materials zu erhöhen.

Eingesetzt werden sollen die Cellink 3D-Biodrucker übrigens erst einmal in der Kosmetik. Seit Tierversuche dort EU-weit verboten sind, benötigen die Forscher in Laboren eine Alternative. Mit Hilfe von 3D-Biodruckern könnten sich also Organe drucken lassen, an denen sie Medikamente oder Kosmetikprodukte testen.

Aber mal eben schnell eine neue Leber drucken und sie einem Patienten einpflanzen – so weit ist die Technik noch nicht. Man ahnt jedoch, dass es damit sicherlich nicht mehr all zu lange dauern könnte. Und dass das ein Segen für Patienten wäre, die dringend eine Organspende benötigen, brauche ich euch wohl nicht zu sagen.

Trotzdem: Das Ganze muss ich erst einmal in Ruhe verdauen. Erstaunlich, wozu die Technik heute alles im Stande ist – und irgendwie auch ein bisschen unheimlich.

Bilder: Cellink

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