DARPA testet kompostierbare Einmal-Lieferdrohnen aus Pappe

Ist das nun besonders nachhaltig oder genau das Gegenteil? Die Geister werden sich an dieser Einmal-Lieferdrohne aus Pappe scheiden, die das US-Verteidigungsministerium testet. Diese kann in Kampf- oder Katastrophengebiet eingesetzt werden und sich nach ihrem Einsatz selbst kompostieren.

Damit dem Feind keine Technik in die Hände fällt, die er später gegen den Gegner verwenden könnte: Das Forschungslabor DARPA des US-Verteidigungsministeriums testet eine Papp-Lieferdrohne mit dem Namen APSARA. Die Abkürzung steht für Aerial Platform Supporting Autonomous Resupply Actions und dahinter verbirgt sich ein Gleiter aus Hartpappe. Entwickelt wird sie vom militärischen Zulieferer Otherlab.

Die APSARA würde zu Hunderten in etwa 300 Metern Höhe aus einem Frachtflugzeug geworfen und könnte dann eine Weite von bis zu 88 Kilometern zurücklegen. Transportieren könnten die Pappdrohnen Frachtgut wie Blutkonserven, Impfstoffe oder andere Medikamente. Erfüllt sie ihren Zweck oder verfehlt sie ihr Ziel, würde die Drohne entweder weggeworfen oder sich innerhalb eines festgelegten Zeitraums selbst zerstören. Laut DARPA ist sie sogar kompostierbar. Da wären wir dann schon nah dran an der kürzlich hier vorgestellten „umweltfreundlichen“ Kriegsführung.

Kein Motor, kein Rotor – und damit auch viel Ausschuss?

Möglich macht das eine Technik namens VAPR, kurz für: Vanishing Programmable Resources. Dahinter verbirgt sich Elektronik, die sich nach ihrer Benutzung selbst zerstört und dann selbst abbaut. Angeblich nicht zu Lasten der Umwelt. Bei der APSARA-Drohne kommen ansonsten nur noch die Pappe und ein wenig Steuerungselektronik hinzu. Laut DARPA – und das finde ich interessant – kommt die Drohne ohne Motor und Rotor aus. Sie würde demnach alleine vom Luftzug angetrieben werden und könnte trotzdem punktgenau ihr Ziel erreichen. Ziemlich genial!

Ich gehe allerdings davon aus, dass ohne eigenen Flugantrieb längst nicht alle dieser Drohnen ihr Ziel erreichen, der Ausschuss damit ziemlich groß sein würde und eine Selbstkompostierung daher unabdingbar. Denn sonst würden diese Drohnen zu Dutzenden in die vermeintlich falschen Hände fallen oder, nun ja, die Umwelt belasten. Also dann lieber Pappe und VAPR als Plastik. Der Einsatz für Katastrophenfälle macht aus den gleichen Gründen Sinn. Laut DARPA wiegt die Einmal-Lieferdrohne leer etwa 1 Kilogramm. Man bekäme aber auch eine 10-Kilo-Drohne mit entsprechend höherem Frachtvolumen hergestellt. Was eine Drohne in der Herstellung kostet, verrieten Otherlab und DARPA nicht.

Für zivile Zwecke sehe ich bei kompostierbaren Drohnen dagegen wenig Nutzen. Um Mittel des täglichen Bedarfs von Amazon und Co. damit zu transportieren, wäre die Herstellung zu aufwändig und schlicht nicht nachhaltig. Kompostierbare Elektronik hingegen – das wäre schon eine feine Antwort auf die Millionen Tonnen von Elektroschrott, derer die Märkte kaum noch Herr werden.

Bild: Otherlab via Trendsderzukunft.de

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