Eine Welt ohne Kabel: Sind Ubeam und Ultraschall die Lösung aller Probleme?

Ubeam wirbt seit Jahren mit einer mehrere Meter weiten kabellosen Ladetechnik. Nun hat das Startup erstmals einen Test erfolgreich öffentlich vorgeführt. Doch so einfach wird eine Welt ohne Kabel leider nicht.

Dass man Smartphones kabellos mit einer Induktionsmatte aufladen kann, wird der eine oder andere schonmal gesehen haben, eifrig nutzen oder gar schon wieder drangegeben haben. Auch der Möbelriese Ikea unterstützt das kabellose Aufladen per Induktion über Möbel, in die die Technik gleich eingebaut ist. Das wäre allerdings alles nichts im Vergleich zu dem, was Ubeam plant: drahtlose Stromversorgung über mehrere Meter hinweg und damit faktisch ein Ende aller Ladekabel oder Netzstecker.

Endlich die erste Vorführung

Dass das gelingen kann, daran hegten nicht wenige Beobachter Zweifel. Alleine schon deswegen, weil Ubeam das vollmundige Versprechen einer kabellosen Welt bereits vor drei Jahren in den Mund genommen hatte und seitdem nichts geliefert hat. Auf der Technikkonferenz Upfront Summit 2017 hat Ubeam-Chefin Meredith Perry die Technik erstmals vorgeführt. Und ja, es funktioniert, wie folgendes Video beweist, doch es bleiben Fragen:

Perry führte hier vor versammeltem Publikum vor, wie ein Smartphone über ein paar Fuß Entfernung kabellos lädt, als sie den Ultraschall-Transmitter einschaltet. Das Smartphone zeigt auf dem Display eindeutig an, dass es geladen wird.

Die Frage ist allerdings, wie schnell es geladen wird. Denn wenn das ganze Procedere drei Tage dauerte, wäre wenig damit gewonnen. Mit technischen Details sparten Perry und Ubeam auf der Konferenz allerdings leider. Das Startup schreibt auf der eigenen Website, dass die Technik eben nicht ganz trivial sei und eine Entwicklung seine Zeit brauche.

Wunderdinge sind hier nicht zu erwarten

Das ist fair, aber klingt noch ein wenig untertrieben. Denn die Technik dürfte außerdem nicht sonderlich leistungsfähig oder energieeffizient werden. Moderne Qi-Ladegeräte erreichen eine Effizienz von 60 bis 70 Prozent im Vergleich zu Ladekabeln, bei Ultraschall liegt die Energieausbeute für gewöhnlich deutlich darunter. Es müsste schon eine enorm hohe Frequenz sein, mit der Ubeam die Signale aussendet. Doch das geplante Spektrum 45 bis 75 kHz dürfte hier keine Wunder wirken.

Immerhin, und das unterstreicht auch Ubeam: die Technik ist für den Menschen bisher als nicht bedenklich getestet worden. Ultraschall wird in der Medizin seit rund hundert Jahren verwendet, aber Nebenwirkungen sind bislang keine bekannt. Das menschliche Ohr kann maximal auf einer Frequenz von 20 Hz bis 20 kHz Geräusche wahrnehmen. Die Ubeam-Technik sendet weit darüber.

Ultraschallsignale sind so energiedicht, dass die Signale auch über einige Fuß bis Meter Weite noch Energie liefern können, wenn entsprechende Sende- und Empfangstechnik vorliegt. Ubeam weiß selbst, dass die Energieausbeute dabei nicht die allerhöchste sein wird und erhofft sich deswegen eine Zukunft, in der Ultraschallsender an allen Ecken und Enden aktiv sind. Etwa wie derzeit WLAN-Router. Nur wären die Ultraschallsender für alle verfügbar. Egal, ob zuhause, im Café oder am Arbeitsplatz. Mobile Geräte würden dann unterwegs praktisch beständig geladen werden und könnten deswegen auch mit der geringen Energieausbeute leben.

Mehr Vision als handfeste Technik

Und zuhause wäre die Stromversorgung noch das geringste Problem – zumindest für Geräte, die nicht all zu viel Strom ziehen. Es dürften nur keine Gegenstände oder Personen zwischen Sender und Empfänger stehen, denn dann funktioniert die Technik nicht.

Aber bevor es so weit ist, dass Stromversorgung über Ultraschall funktioniert, wird noch einiges an Wasser den Rhein hinunterfließen. Mit etwas Glück schafft Ubeam die ersten Insellösungen für zuhause oder in Cafés noch in diesem Jahrzehnt, aber sie würden nur Ergänzung zu Ladekabeln oder Induktionsmatten sein können. Von daher sehe ich das kabellose Laden per Ultraschall derzeit eher als eine hoffnungsvolle Zukunftsvision an. Und ich drücke Ubeam die Daumen, dass das gelingt. Möglichst noch mit so viel Energiedichte, dass das ganze nicht ökologisch wertlos wird. Wird schwer, aber sicher nicht unmöglich.

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