Electroad und Tesla: Elektroautos künftig in Sekunden oder ganz kabellos aufladen

Das israelische Startup Electroad möchte die Akkus von elektrisch betriebenen Linienbussen innerstädtisch künftig kabellos aufladen. Etwa zeitgleich platzt eine Meldung von Tesla dazwischen: Elektroautos sollen über einen neuen Supercharger in Sekunden aufgeladen werden. Beides beschreibt die Lösung für eins der größten Probleme für Elektrofahrzeuge: Reichweite und "Tankzeit".

Elon Musk ist jemand, dem derzeit einfach alles zu gelingen scheint: die erfolgreiche Landung einer Rakete mit seinem Weltraum-Startup SpaceX oder im Wochentakt neue Erfolgsmeldungen für das Elektroauto Tesla. Neueste Meldung, die Musk über die Weihnachtstage auf Fragen von Nutzern auf Twitter beantwortete: Wie sehe es denn mit Schnellladegeräten für Elektroautos aus?

Musks Antwort: Die würden doch schon längst an ersten Aufladestationen stehen. Der V3 Supercharger arbeite statt des Vorgängers V2 und dessen 150 kW mit deutlich mehr. Vermutlich sind es um die 500 kW. Damit ließe sich der Akku eines Tesla-Elektroautos in Sekunden aufladen. Das erhöht dann natürlich nicht die Reichweite eines Akkus, der mit etwa 350 Kilometern im Model 3 mit kaum einem Benziner mithält. Kann man ein Model 3 aber genauso schnell aufladen wie einen Benziner betanken, dann wird die Sache wiederum ein ganzes Stück interessanter.

In Tel Aviv laden Bus-Akkus kabellos auf

Aber warum überhaupt anhalten und ein Elektroauto aufladen, wenn das auch kabellos geht? In Israel testet das Startup Electroad bereits eine Straße, in die Induktionsmodule eingelassen sind. Fahren Busse darüber, die eine Abnehmspur besitzen, können diese sich während des Fahrens neu aufladen. Das wäre dann sogar ein Vorsprung gegenüber dem in Genf eingesetzten Flash Charging für Elektrobusse. Durch Ladestationen mit 600 Kilowatt kann der Akku eines damit kompatiblen Elektrobusses in 15 Sekunden so weit aufgeladen werden, dass er es mindestens bis zu nächsten Station schafft. Am Ende einer Strecke ruhen die Busse dann für 5 Minuten und laden ihren Akku dabei wieder vollständig auf.

Busse, deren Akku an einer Ladestation wieder aufgeladen wird. Bild: Abb
Busse, deren Akku an einer Ladestation wieder aufgeladen wird. Bild: Abb

Über Induktionsladung wird Electroad keine derart hohe Lademenge in die Akkus fahrender Busse bekommen. Es wird sich dabei um kleine Lademengen handeln, von denen Busse in mehreren Etappen ihren Akku immer ein Stück weit wieder aufladen. Das Startup gibt an, dass dadurch ein monströser Elektroakku in Bussen eingespart werden kann, der bis zu 300.000 US-Dollar kosten und bis zu 5 Tonnen wiegen kann. Das wäre in der Tat ein Vorteil.

Electroad kann dieses Wireless Power Transfer-Netz vorerst nur innerstädtisch in der Großstadt Tel Aviv aufbauen. Und hier zeigen sich weitere Probleme für Elektroautos: verschiedene, nicht kompatible Systeme, geringe Reichweite und abseits reicher Industrienationen kaum verfügbare Ladestationen. Aber die elektrische Revolution im Automobilverkehr ist längst in Gange. Und Hersteller überraschen mit immer neuen Technologien, die oft weiter sind als manch einer denkt.

Beitragsbild: Electroad

0 0