EVAM: Stockholm testet Rettungswagen, deren Signal sich auf Autoradios schalten kann

Autofahrer kriegen es nicht hin, die Straße für Rettungswagen freizuräumen. Schwedische Studenten haben nun ein System entwickelt, das Singale von nahenden Rettungswagen auf Autoradios schaltet. Das kann wertvolle Sekunden herausholen.

Die meisten nehmen wie in Schockstarre den Fuß vom Gas und bleiben einfach stehen. Für Rettungswagen gibt es deswegen immer das Problem, dass sie im Stau stecken bleiben. Technische Hilfsmittel dafür wurden noch nicht gefunden. Das Satiremagazin „Der Postillon“ berichtete einst von Rettungswagen, die im Weg stehende Fahrzeuge mit einem Pflug einfach aus dem Weg räumen. Manchmal wünschte man sich, es wäre keine Satire…

Jedenfalls: Was schwedische Studenten am KTH Royal Institute of Technology in Schweden erfunden haben, könnte es den Rettungskräften helfen, besser mit anderen Autofahrern zu kommunizieren. Ihre Ausgründung H&E Solutions hat das so genannte EVAM System erfunden, das Rettungssignale auf RDS-Autoradios schalten kann. Egal, was die Autofahrer gerade hören, das Signal unterbricht ihre Musik und liefert außerdem eine Textnachricht, dass ein Rettungswagen passieren möchte.

Auf diese Weise würden alle Autofahrer in der Umgebung informiert werden – laut H&E Solutions mit 10 bis 15 Sekunden Vorlauf. So könnte es nicht mehr passieren, dass Autofahrer die Signale übersehen oder überhören. Klar, ab einem gewissen Abstand bekommt jeder Blaulicht und ein Martinshorn auch so mit. Aber meist eben erst zu spät und damit wertvolle Sekunden später.

Erreicht zwei Drittel der Autofahrer schneller und ohne Zusatztechnik

Wie weit das EVAM-Signal reicht, erklärte die Pressemeldung der Hochschule über H&E Solutions leider nicht. Nur, dass die Reichweite auf den innerstädtischen und den Verkehr auf dem Land angepasst werden könnte. Die Signalübermittlung funktioniert allerdings nur, wenn das Autoradio eingeschaltet ist und wenn das UKW-Radio RDS unterstützt. Blöd also: Schwedens Nachbarland Norwegen hat den UKW-Funk gerade erst abgeschaltet und setzt auf die digitale Nachfolgetechnik DAB+. Wäre also gut, wenn H&E die eigenen Systeme auf lange Sicht anpassen könnte.

H&E schreibt auf der EVAM-Website, dass man mit der Vehicle-to-Vehicle-Technik (V2V) zwei Drittel aller Autofahrer erreichen könne. Der große Vorteil ist die Übertragung auf Autoradios in Akustik und Text. Da ohnehin die allermeisten Autos über ein Autoradio verfügen, besitzen sie bereits das notwendige Endgerät, ohne etwas nachrüsten zu müssen.

Schön wäre es natürlich noch, wenn die Textnachrichten, die EVAM verschickt, dem Autofahrer detailliert mitteilen könnten, was er zu tun hätte. Also nicht nur „Rettungswagen kommt“, sondern besser: „Nicht anhalten! Fahren Sie um Himmels Willen weiter!!!“

So oder so, eine schöne Idee, was sich die Studenten da ausgedacht haben. Was Leben retten und dabei noch ohne weiteren technischen Aufwand installiert werden kann, sollte begrüßt und möglichst schnell eingeführt werden. Die Stadt Stockholm testet EVAM in Rettungswagen bereits im 1. Quartal 2017.

Bild: H&E Solutions via MobileGeeks, Futurezone

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