Keymochi: Schlaue Tastatur erkennt deine Stimmung

Drei Stundenten der Cornell Universität entwickeln eine Tastatur-App, die die Stimmung des Nutzers erkennen will. Keymochi vollbringt dabei kein Hexenwerk. Es klingt so einfach, dass man sich fragt, warum das bisher keiner umgesetzt hat.

Vermeintlich smarte Keyboard-Apps für das Smartphone gibt es mittlerweile zuhauf. Viele schwören auf SwiftKey; GBoard von Google ist ebenfalls sehr beliebt, ich selber teste seit einiger Zeit Fleksy. Aber na ja, was soll man sagen: So richtig smart finde ich keine davon, auch wenn einige Wortvorschläge verblüffend sind. SwiftKey etwa lernt häufige Wortfolgen des Nutzers und kann diese erneut vorschlagen. So weit so gut. Aber wirklich interessant und smart finde ich zumindest das, was drei Studenten der Cornell Universität mit Keymochi vorhaben.

Keymochi ist ein Wortspiel auf Keyboard und emochi/emotion. Die App, an der die drei Connective-Media-Studenten Hsiao-Ching Lin, Huai-Che Lu, and Claire Opila derzeit noch arbeiten, soll in der Lage sein, die Stimmung des Benutzers zu erkennen. Dafür soll die App verschiedene Daten auswerten wie die Schreibgeschwindigkeit, die Nutzung von Satzzeichen oder die Häufigkeit der Bewegung des Telefons. Die App misst außerdem, wie oft der Anwender die Backspace-Taste benutzt, um einzelne Zeichen zu löschen.

Hexenwerk Stimmungsanalyse?

Diese Daten soll Keymochi in Zusammenhang bringen und dadurch herausfinden können, wie sich ein Nutzer fühlt. Auch eine grobe Stimmungsanalyse soll in die Bewertung mit einfließen. Wobei die Studenten leider nicht verraten, wie genau diese aussieht. Auf jeden Fall soll diese teilweise auf eigener Erfahrung beruhen. Angeblich war die App so in 82 Prozent der Fälle dazu in der Lage, die richtige Stimmung zu erkennen. Genauer beschrieben ist allerdings nicht, wie das getestet worden ist. Beruht das nur auf eigenen Erfahrungen?

Von einer Textanalyse ist bei Keymochi allerdings ebenso wenig die Rede wie davon, die Häufung aussagekräftiger Emojis zu zählen. Dafür können auch Daten wie Ort und Zeit noch in das Profil mit aufgenommen werden. Die App könnte dann zum Beispiel erkennen, dass sich die Stimmung einer Person verschlechtert, wenn sie den Arbeitsplatz betritt. So etwas soll es ja geben.

Alternative, aber nicht wirklich smarte Tastatur Fleksy Keyboard im Einsatz.
Alternative, aber nicht wirklich smarte Tastatur Fleksy Keyboard im Einsatz.

Gedacht ist Keymochi übrigens dazu, dem Nutzer zu helfen. Wird eine schlechte Stimmung erkannt, kann versucht werden, die Person aufzuheitern. Die Daten werden anonym an einen Server geschickt, wo ein Maschinenlernprogramm sie auswertet. Unklar ist derzeit noch, ob sich dadurch auch langfristige Profile erstellen lassen, sich so vielleicht sogar etwa erkennen lässt, ob jemand depressiv ist. Hier wäre es natürlich unerlässlich, die Daten zu anonymisieren.

Google ist eigentlich schon fast da

Noch ist Keymochi nicht in App Stores erschienen, obwohl die Studenten planen, sie in absehbarer Zeit zunächst für Apples App Store zu veröffentlichen. So lässt sich derzeit nichts darüber aussagen, wie gut die Software denn nun eigentlich funktioniert. Die Idee, harte Fakten zu sammeln klingt allerdings clever und nicht einmal nach Hexenwerk. Jedes Smartphone ist mit einer Menge an Sensoren ausgestattet und sammelt fleißig Informationen über den Nutzer. Also fragt man sich, warum noch keiner der Großen auf so etwas gekommen ist.

Google etwa analysiert Text mit Tools wie Now on Tap (Informationen zu Begriffen, nach denen der Nutzer noch gar nicht gesucht hat) oder Allo (Chat-App mit einem Bot, der den Nutzer nach einer Textanalyse ungefragt Hilfestellung anbietet). Da noch weitere Informationen zu sammeln und auf den Gemütszustand des Nutzers zu schließen, sollte eigentlich ein Leichtes sein. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Google etwas derartiges längst im Verborgenen testet, aber noch nicht herausgebracht hat. Der Datenriese weiß um die Angst der Nutzer um ihre Daten und stellt neue Features mittlerweile nur sehr zögerlich nach und nach vor.

Noch mehr Emotionen messen

Völlig neu ist die Emotionsanalyse über die Texteingabe übrigens nicht. Studenten der National Chiao Tung University in Taiwan ermittelten im Jahr 2015 bereits in einer wissenschaftlichen Studie an mechanischen Tastaturen, dass die Schreibgeschwindigkeit auf den Gemütszustand zurückschließen lässt. An virtuellen Smartphone-Tastaturen lassen sich natürlich noch viel mehr und genauere Daten sammeln.

Solange das einem guten Zweck dient, finde ich die Idee hinter Keymochi übrigens toll. Ich wünsche mir ja schon lange eine Chat-App, die mir am Signalton verrät, ob der Inhalt einer eingehenden Nachricht eher positiv oder negativ ist. Vielleicht kommen wir durch solche Experimente langsam in diese Richtung.

Das Beitragsbild zeigt die drei Studenten hinter Keymochi. Bildquelle: Universität Cornell, via DigitalTrends

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