LeEco Smart Bike: Schlaue Räder fahren mit Android 6, GPS und einem Walkie-Talkie

Smarte Fährrader gefällig? Der chinesische Technik-Allrounder Le Eco hat auf der CES 2017 zwei Smart Bikes vorgestellt, die über einen eingebauten Touchscreen mit dem eigenen Bike OS verfügen. Das basiert auf Android 6 und bietet dem Fahrer ein Navigationssystem via Here Maps und GPS. LeEco folgt damit einem weltweiten Trend hin zum smarten Fahrrad.

Gut, wer gleich ein ganzes Ökosystem anbieten kann. Die LeEco Smart Bikes bieten als Apps neben einem Navi außerdem eine Walkie-Talkie-Funktion zu anderen Smart Bikes in der Umgebung. Zusätzlich gibt es etwa die Möglichkeit, Musik online und offline zu streamen. Natürlich lassen sich Strecken protokollieren und mit anderen Nutzern per sozialen Apps teilen. Das angepasste Bike OS ist für Drittanbieter offen, die ebenfalls Anwendungen beisteuern wollen. Ein 4-Zoll-Touchscreen, der in der Gabel eingebaut ist, dient dem Fahrer als Schnittstelle zum System.

LeEco Smart Mountain Bike. Bild: LeEco
LeEco Smart Mountain Bike. Bild: LeEco

Recheneinheit ist der Mittelklasse-Quadcore-Prozessor Qualcomm Snapdragon 410. Der Akku hat eine Ladekapazität von 6.000 mAh, was bei einem derart kleinen Bildschirm Saft für mehrere Tage bieten dürfte. Neben GPS ermitteln die LeEco Smart Bikes den Standort auch mit Hilfe des russischen Satelliten-Navigationssystems Glonass. Weitere Sensoren sind ein Kompass, ein Barometer, verschiedene Beschleunigungssensoren sowie ANT+, das Fitness-Anwendungen Informationen liefern kann. Die Geschwindigkeit wird auch über die Radumdrehungen gemessen. Die Elektronik ist strahlwassergeschützt nach IP54.

Daseinsberechtigung für Smart Bikes? Aber klar doch!

Natürlich verfügen die beiden Smart Bikes über alles Weitere, was ein verkehrssicheres Fahrrad braucht, wie Lichter, eine 11-Gang-Schaltung auf einem Blatt und eine Alarmanlage. Le Eco bietet zwei Modelle an, deren Rahmen jeweils aus Carbon besteht. Das Smart Road Bike wiegt dabei 8,4 Kilogramm, das etwas wuchtigere Smart Mountain Bike 12,2 Kilogramm. Beide Fahrräder sollen zunächst in Nordamerika in der ersten Jahreshälfte 2017 auf den Markt kommen.

Man braucht nicht zwingend ein neues Fahrrad. Die clevere Steuerung SmartHalo lässt sich ganz einfach auf einem gewöhnlichen Fahrrad nachrüsten. Bild: SmartHalo
Man braucht nicht zwingend ein neues Fahrrad. Die clevere Steuerung SmartHalo lässt sich ganz einfach auf einem gewöhnlichen Fahrrad nachrüsten. Bild: SmartHalo

Neu ist die Idee freilich nicht, ein Fahrrad mit einer Smartphone-ähnlichen Steuereinheit auszustatten. Es ist auch fraglich, ob man ein eigenes System dafür benötigt, wenn faktisch jeder ein Smartphone bei sich führt. Und ob man sich dafür gar extra ein neues Fahrrad kaufen muss, nur um ein smartes Gefährt zu haben, muss jeder für sich entscheiden. LeEco wird für seine Smart Bikes wohl vor allem solche Kunden im Auge haben, die sich ohnehin gerade ein neues Fahrrad zulegen wollen. Warum dann nicht alles aus einer Hand! Zumal das BikeOS-System auf die Bedürfnisse von Radfahrern zugeschnitten ist und der 6.000-mAh-Akku länger durchhalten dürfte als die meisten Smartphone-Akkus.

Wer aber einmal mit dem Fahrrad unterwegs war, den Weg nicht kannte und alle Nasen lang anhalten musste, um mit einer Karten-App auf dem Smartphone die eigene Position stets neu zu bestimmen, der weiß, dass ein smartes Fahrrad sehr sinnvoll sein kann. Dafür muss man sich aber natürlich nicht zwingend ein neues Fahrrad kaufen. Es täte eine wetterfeste Halterung für das eigene Smartphone.

LeEco kopiert sich selbst

Natürlich sind die LeEco Smart Bikes – wie so oft – nicht die ersten ihrer Art, nicht einmal von LeEco selbst. Denn die Chinesen haben bereits vor knapp einem Jahr ein noch etwas teureres und futuristischer anmutendes Smart Bike namens Le Syvrac (auch genannt: Le Superbike) vorgestellt. Hier kam das gleiche System zum Einsatz; die beiden neuen Modelle hat LeEco lediglich etwas weniger extravagant aussehen lassen als das LeSyvrac.

Das Smart E-Bike vom Automobilhersteller Smart verfügt über eine Halterung für Smartphones. Bild: Smart
Das Smart E-Bike vom Automobilhersteller Smart verfügt über eine Halterung für Smartphones. Bild: Smart

Ganz ähnliche Vertreter ihrer Art gibt es auch vom deutschen Automobilhersteller Smart. Der darf sein Gefährt dann auch offiziell „Smart Bike“ nennen. Hier handelt es sich um ein E-Bike mit einer in die Gabel eingebauten Halterung für ein Smartphone. So etwas möchte auch Volata auf den Markt bringen. Der US-Hersteller hat, ähnlich wie LeEco, eine smarte Steuereinheit in die Gabel eingebaut.

Volata Smart Bike System. Bild: Volata
Volata Smart Bike System. Bild: Volata

Ohne Fahrrad und hochauflösendes Display aber mit einer intelligenten Steuerung arbeitet Smart Halo. Das Gerät ist Lampe, Navi, Alarmanlage und Fitnesstracker in einem und zeigt dem Benutzer alle notwendigen Informationen in Form von Licht an. Cobi ist derweil ein Startup aus Frankfurt, das eine schlaue Fahrrad-Halterung für ein Smartphone entwickelt. Die mitgelieferte App macht das Smartphone dann zu einer smarten Umgebung für das Fahrrad. Weniger smart, auch wenn es so heißt, ist in meinen Augen dafür das Vanmoof Smart Bike. Das legt den Fokus auf Sicherheit, dafür fehlt ihm die Möglichkeit, ein Smartphone am Lenker anzubringen.

Cobi: Smartphone-Halterung mit eigenem Fahrrad-Betriebssystem per App. Bild: Cobi
Cobi: Smartphone-Halterung mit eigenem Fahrrad-Betriebssystem per App. Bild: Cobi

Smarte Fahrräder zumindest sind auf dem Weg. Erstaunlich viele Hersteller, wie eben auch LeEco mit den Smart Bikes, wollen alles in einem verkaufen: die smarte Steuereinheit und das Fahrrad gleich mit. Diese Unternehmen haben vor allem Umsteiger im Auge, die statt mit dem Auto künftig lieber mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln. Dazu passt ein Elektromotor sehr gut, den einige als Variante anbieten. Smart Halo und Cobi haben dafür solche Kunden im Auge, die schon ein Fahrrad haben und endlich ein ansprechendes Navigationssystem fürs Rad mitsamt cleverer Zusatzfunktionen wollen.

Ich finde, beides sind sehr löbliche Entwicklungen, weil sie dafür sorgen können, dass die Menschen noch lieber Rad fahren und damit ihr Auto stehen lassen. Jetzt müsste nur noch jemand ein Fahrrad erfinden, auf dem man nicht mehr nass wird…

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