Mieten statt kaufen bei Otto und MediaMarkt: Nachhaltig ist das nicht zwingend

Gar keine so üble Idee eigentlich, was Otto und MediaMarkt seit kurzem praktizieren: Elektrogeräte mieten statt zu kaufen. Ideal ist das aber eigentlich nur für Menschen, die gerne viel Neues ausprobieren. Wirklich billiger und nachhaltiger aber sind die Modelle nicht.

Es klingt besonders nachhaltig, was Otto seit Dezember und MediaMarkt seit diesem Wochenende praktizieren: Mieten statt kaufen. Bei beiden Dienstleistern kann man nun Elektrogeräte zu einem monatlichen Mietpreis ausleihen. Otto Now nennt sich das Projekt bei Otto, während MediaMarkt in Zusammenarbeit mit dem Berliner Startup Grover die „Mietwochen“ ausruft.

Startseite von Otto Now: Der Kunde haftet voll.
Startseite von Otto Now: Der Kunde haftet voll.

Bei den MediaMarkt Mietwochen kann man zum Beispiel aktuell das Samsung Galaxy S7 Edge mit 32 GB für knapp 60 Euro im Monat mieten. Auch Drohnen oder Kameras gibt es. Otto Now bietet auch Waschmaschinen oder ähnliche Elektrogroßgeräte zum Mieten an. Mag man das Gerät nicht mehr, gibt man es einfach zurück.

Lohnt sich das wirklich für alle Beteiligten? Jein.

Wie sich das für wen rechnet, ist schnell erklärt. Das gleiche Galaxy S7 Edge mit 32 GB kostet bei MediaMarkt knapp 600 Euro, wenn man es kauft. Das heißt, schon nach zehn Monaten übersteigen die Mietkosten den Kaufwert. Und will man es dann loswerden, kann man es nicht weiter verkaufen, sondern muss es ja zurückgeben. Auf lange Sicht also kein besonders gutes Geschäft für den Kunden, der deutlich besser fahren würde, wenn er das gleiche Gerät käuflich erwirbt, ein Jahr lang benutzt und dann zu einem anständigen Restwert weiterverkauft.

Grover allerdings hat eine Fairness-Klausel in den Vertrag eingebaut: Das Gerät geht in den Besitz des Kunden über, drei Monate nachdem die Mietzahlungen den Kaufpreis eingeholt haben. Natürlich hat der Anbieter noch Arbeit, wenn er den Gegenstand zurückerhält. Grover schreibt in den eigenen FAQ:

Die zurückgesandten Produkte werden immer gereinigt, desinfiziert und auf Werkseinstellungen zurückgesetzt, bevor sie zum nächsten Mieter geschickt werden.

Nach eigenen Angaben wird nur Neuware vermietet oder Produkte, die „so gut wie neu“ sind, also nur wenige Gebrauchsspuren aufweisen. Geräte sind bei Grover zu 50% versichert. Im Falle eines Schadens trägt der Mieter die Hälfte. Otto Now verweist an dieser Stelle auf die Haftpflichtversicherung des Kunden. Die Geräte sind dort per se nicht versichert. Der Anbieter kann den Gegenstand mehrmals vermieten, allerdings nur zu einem verminderten Preis weiterverkaufen, wenn er das wollte. Also ist so ein Mietdeal schon irgendwo fair.

Grover-Startseite: Playse oder Fernseher? Einfach ausleihen.
Grover-Startseite: Playse oder Fernseher? Einfach ausleihen.

Besonders lohnenswert scheint die Miete aber nur für solche Kunden zu sein, die alle paar Monate ein neues Gerät testen wollen oder einen Zeitraum von ein paar Wochen überbrücken müssen, etwa wenn ihr eigentliches Smartphone in Reparatur ist. Oder wenn sie zur Zwischenmiete irgendwo einziehen und für die Zeit zum Beispiel einen Fernseher haben wollen.

Nachhaltig? Kommt auf die Frequenz an

Eine andere Frage ist das Thema Nachhaltigkeit. Ist das hier wirklich Sharing Economy oder zumindest besser als ein Neukauf? Auch ein Smartphone, das man mietet, muss für den ersten Mieter zunächst einmal produziert werden. Zum jetzigen Zeitpunkt vermieten Otto und MediaMarkt hauptsächlich Neuware. Eine mehrmalige Vermietung ist vorgesehen. Aber ist sie auch realistisch, wenn ein Kunde ein Smartphone etwa ein Jahr lang benutzt hat und mit deutlichen Gebrauchsspuren zurückschickt, die eine weitere Vermietung unmöglich machen?

Eine Kamera ausleihen: Bei Media Markt dank des Kooperationspartners Grover künftig online möglich.
Eine Kamera ausleihen: Bei Media Markt dank des Kooperationspartners Grover künftig online möglich.

Und für Kunden, die wirklich aufs Ganze gehen und jeden Monat ein neues Smartphone mieten wollen – für die klingen diese Mietservices zwar attraktiv, aber schon gar nicht mehr so nachhaltig. Eher im Gegenteil. Ob man sie schon gebraucht erhält oder nicht: Die schiere Menge würde mehr Ressourcen verbrauchen als ein Smartphone ein Jahr lang oder noch länger zu nutzen.

Fazit: Nicht übertreiben, dann passt das schon

Für mich klingen diese Mietdienste summa summarum wie ein fairer Deal zwischen Händlern, die damit schon ihren Schnitt machen, und experimentierfreudigen Kunden. In Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit halte ich diese Mietservices für allenfalls ein bisschen besser als einen Kauf. Treibt man es auf die Spitze und mietet wirklich jeden Monat ein neues Gerät quasi im Abo, dann hat man hier das Gegenteil von Nachhaltigkeit erreicht.

Otto hat übrigens noch ein ganz anderes Problem, ein Datenschutzproblem. Aber das ist eine andere Geschichte.

Screenshots: Anbieter

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