Smartwear: Polar baut in seinem Team Pro Shirt Fitnesssensoren gleich mit ein

Viele Athleten schwören mittlerweile auf Fitness- und Activity-Tracker, die Bewegungen beim Sport messen. Der finnische Hersteller Polar hat solche Sensoren jetzt gleich in ein Funktionsshirt eingebaut. Das Polar Team Pro Shirt misst Daten wie Herzschlag und zurückgelegte Kilometer. Ein echtes Wearable also, doch ganz ohne einen kleinen „Knubbel“ mit Technik kommt das Team Pro Shirt nicht aus.

Im Grunde ist die Entwicklung des Polar Team Pro Shirt nur konsequent: Viele Sportler wollen zwar während ihres Trainings Daten messen, aber natürlich nicht durch Technik in ihrer Bewegung eingeschränkt werden. So sind Brustgurte zum Messen von Herzschlag gerade bei langen Läufen alles andere als bequem. Eine Messung des Pulses am Handgelenk wie in vielen modernen Fitnesstrackern und Smartwatches allerdings ist ungenau.

Gewebeartige Sensoren sind in den Stoff eingearbeitet

Das Polar Team Pro Shirt soll es dem Sportler deswegen mit entsprechenden Sensoren besonders einfach machen. Der Herzschlag wird von zwei Messpunkten in Brusthöhe aufgezeichnet, die Sensoren sind aus Gewebe und in die Faser des Shirts eingearbeitet. Für alle weiteren Daten und die Elektronik, die irgendwie mit Strom gespeist werden muss, befindet sich allerdings ein weiteres Stück Technik direkt unter dem Kragen des Pro Team Shirt in Höhe des Nackens des Sportlers.

Dieser so genannte Sensor Pod des Team Pro Shirt misst weitere Daten wie die Geschwindigkeit, die zurückgelegten Meter und die Beschleunigung. Mit Hilfe von Bluetooth Smart können die Daten an ein App-fähiges Endgerät wie ein Smartphone oder Tablet geschickt werden. Ein Trainer kann dann in Echtzeit die Werte des Athleten, wie den Puls, überwachen.

Das Polar Team Pro Shirt soll ab März 2017 vorerst nur in grau und ärmellos auf den Markt kommen. Vorgesehen ist, dass Athleten es unter ihrem eigentlich Trikot tragen. Daher auch der Name Team Pro Shirt. Es ist vor allem für Vereine gedacht, auch wenn Individualsportler es käuflich erwerben können. Einen Preis nannte Polar leider noch nicht.

Schalke 04 setzt das Polar Team Pro System ein

Polar beginnt hier allerdings nicht bei null. Das Team Pro Shirt ist Teil des Team Pro Systems, das zahlreichen Profisport-Teams weltweit bereits seit einigen Jahren bei der Auswertung von Fitnessdaten behilflich ist. Genannt wird hier etwa das NFL-Footballteam der Atlanta Falcons oder der in unseren Breiten deutlich bekanntere Fußballklub FC Schalke 04. Ein Video beschreibt, welche Daten das System beim Training erhebt. Viele davon entsprechen denen, die einem Zuschauer auch bei Sportübertragungen am TV-Bildschirm angezeigt werden, abgesehen von gewonnenen Zweikämpfen oder der Passgenauigkeit.

Funktionieren können Wearables dann, wenn sie nah am Körper getragen werden. Polar findet hier im Team Pro Shirt einen, wie ich finde, klugen Kompromiss. Die Pulsmessung kann ebenso genau wie bei einem Brustgurt deswegen erfolgen, weil das Shirt hauteng getragen wird. Weitere notwendige Technik, die an gleicher Stelle eher störend wäre, ist auf den Sensor Pod ausgelagert, der in Nackenhöhe bei den meisten Sportarten nicht stören dürfte.

True Wearables Oxxoim misst den Sauerstoffgehalt des Bluts in Echtzeit. Bild: True Wearables
True Wearables Oxxoim misst den Sauerstoffgehalt des Bluts in Echtzeit. Bild: True Wearables

Echte Wearables sind in der Praxis noch selten. Denn noch sind Materialien rar, die biegsam sind und sich dem Körper anschmiegen. Zwar gibt es mittlerweile biegsame Gehäuse, Akkus oder auch Displays. Schwieriger sieht es derweil mit Prozessoren oder Funkeinheiten aus. Eine Möglichkeit wäre, nicht biegsame, anfällige Technik in einem Extra-Gehäuse auszulagern, wie eben Polar das tut. Ein anderer Weg wäre, die Technik im wahrsten Sinne des Wortes einzubetten. Der kalifornische Hersteller True Wearables etwa will mit dem in weiche Fasern eingelassenen Oxiometer Oxxiom das erste „wirklich tragbare“ Wearable zur Bestimmung des Sauerstoffgehalts im Blut erfunden haben.

Weitere Smart Shirts von Hexoskin, OM Signal und anderen

Hexoskin Smart Shirt. Grafik: Hexoskin
Hexoskin Smart Shirt. Grafik: Hexoskin

Und auch Polar ist nicht das erste Unternehmen, das ein smartes T-Shirt erfunden hat. Etwas ganz ähnliches hat der kanadische Hersteller Hexoskin bereits seit einigen Jahren mit seinem Hexoskin Smart Shirt im Angebot. Ein 400 US-Dollar teures System besteht aus einem Funktionsshirt mit integrierten Sensoren und einer Recheneinheit, die in einer Tasche des Shirts eingelassen wird. In die gleiche Richtung geht auch die Biometric Smartwear des ebenfalls kanadischen Herstellers OMSignal, der jüngst etwa einen Sport-BH mit integrierten Sensoren vorgestellt hat. Neben dem Puls können die Wearables von Hexoskin und OMSignal auch die Atemfrequenz messen. Selbst Modemarke Ralph Lauren hat vor knapp drei Jahren bereits etwas Ähnliches getestet.

Der OMbra Smart Bra misst Puls und Atem und kommt modisch gestylt daher. Bild: OM Signal
Der OMbra Smart Bra misst Puls und Atem und kommt modisch gestylt daher. Bild: OM Signal

Das Problem mit Wearables ist auch das Aussehen. Selten ist die Synthese aus Technik und Faser wirklich modisch. Ralph Lauren beansprucht für sich, das geschafft zu haben. Auch OM Signal und Polar könnte man das attestieren. Bleibt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Polar hat noch keinen Preis für das Team Pro Shirt genannt. Vergleichbare Technik von Hexoskin und OM Signal kostet meist weit über hundert Dollar und auch Euro. Könnte sich für einen Profiklub lohnen, ist für den Durchschnittsportler aber noch zu teuer. Auch weil man ein smartes Shirt nach jeder Nutzung erst einmal waschen muss, während ein Fitnessarmband sich egal mit welcher Kleidung immer am Handgelenk tragen lässt.

0 0