Solarstrom kühlt Milch

Es klingt ebenso paradox wie einfach: Wo es heiß ist, verdirbt Milch schneller. Meist ist allerdings die Sonneneinstrahlung an solchen Orten hoch. Also nutzt man sie für Sonnenenergie, die dann verwendet wird um Milch zu kühlen. Forscher der Uni Hohenheim setzen nun ein solches Solar-Kühlsystem für zwei Projekte in Afrika ein.

Es ist nichts revolutionär Neues, was Forscher der Universität Hohenheim da vorgestellt haben. Aber die Idee ist praktisch: In heißen Gegenden, wo Milch schnell verdirbt, kühlt man diese eben mit der Hilfe von Solarstrom. Forscher der Universität Hohenheim testen ein solches System gerade in Zusammenarbeit mit Milchbauern in Tunesien und Kenia.

Genannt ist das Projekt „Solar Milk Cooling with Insulated Milk Cans“ und das Prinzip eigentlich einfach: Solarzellen gewinnen den Strom aus Sonnenenergie, der verwendet wird, um eine Kühltruhe anzutreiben. Darin wird zum einen die Milch stationär gekühlt. Zum anderen wird in dieser Tonne auch Eis gewonnen, mit dem später die Milchkannen ausgestattet werden.

Solare Eismaschine

So lässt sich die Temperatur der Milch auch beim Transport verringern und sie damit länger haltbar machen. Da, wo Milch nicht ultrahocherhitzt oder pasteurisiert werden kann, hält sie sich damit bis zu 24 Stunden statt bislang nur wenigen Stunden.

Das konkrete System, das die Wissenschaftler in den beiden Projekten einsetzen besteht aus PV-Solarpanels mit 600 Wp und einer Gesamtkapazität von etwa 1,5 kWh. Diese treiben die Kühltruhe an, die ein Fassungsvermögen von 160 Litern bietet und 8-13 Kilogramm Eis pro Tag erzeugen kann. Die Milchkannen fassen 30 Liter Milch und 6-8 Kilogramm Eis. Um Milch von 36 auf 15 Grad Celsius zu kühlen, benötigt das System den Forschern zufolge 90 Minuten und 6 Kilogramm Eis.

Im Kühler selbst setzen die Forscher einen Lüfter ein, um die Kühlwirkung zu erhöhen. Das System kann variabel gesteuert werden und bis zu 7 Tage autark laufen, selbst wenn wenig Sonnenenlicht auf die Panels trifft. Ein Teil der Energie kann in Akkus gespeichert werden, um das System unabhängiger vom Wetter zu machen.

Zugang von Kleinbauern zum lokalen Markt

Hintergrund für ein solches System ist der, dass in Entwicklungsländern meist keine industrielle Milchwirtschaft besteht. Kleinbauern haben bis zu fünf Kühe, mehr nicht. Das System, das vom Hersteller Phaesun in Memmingen hergestellt wird, kann dabei helfen, den Bauern den Zugang zum lokalen Markt zu erleichtern. Auch die Herstellung von Käse und anderen Milchprodukten könnte dadurch erleichtert werden. Die Kosten in Höhe von 2.700 Euro für das System wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung getragen.

Energypedia via Trendsderzukunft.de. Bildquelle: Universität Hohenheim unter CC-Lizenz BY-SA 3.0

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