Umweltfreundliche Kriegsführung

Zynisch ist es allemal. Aber was ist sonst von "ökologischer Kriegsführung" zu halten? Zwei aktuelle Beispiele zeigen, dass die Idee nicht von ungefähr kommt. Die US Army sucht in einer Ausschreibung etwa nach kompostierbarer Munition.

Am Wochenende las ich den Reisebericht „Hinter dem Horizont rechts“ von Christopher Many, der mit dem Motorrad durch Asien fährt und dabei auch in Laos Halt macht. Laos ist eins der meist zerbombten Länder der Welt. Im Vietnam-Krieg legte die US Air Force das Nachbarland Vietnams, in dem es einen Teil des berüchtigten Ho-Chi-Minh-Pfades vermutete, in Schutt und Asche. In 580.000 Angriffsflügen regneten zwischen den Jahren 1964 und 1973 mehr als 2 Millionen Tonnen Bomben auf das tropische Land hinab, ein geschätztes Drittel davon Blindgänger. Man vermutet noch 80 Millionen Bomben im laotischen Boden. Noch heute, 40 Jahre nach Ende des Vietnamkriegs, sterben mehrere hundert Zivilisten jährlich an den Folgen, hauptsächlich Kinder. Die Bomben zu räumen würde Jahrhunderte dauern.

Was das mit diesem Beitrag zu tun hat? Heute sah ich zufällig zwei Beiträge über so genannte umweltfreundliche oder ökologische Kriegsführung. Eine davon ist eine bitterböse Satire des Funk-Kanals Bohemian Browser Ballett:

Das als Werbefilm des fiktiven Rüstungskonzerns General Systems inszenierte Video stellt die „Eco Line“ vor. Kampfdrohnen, die mit Strom aus Solarzellen gespeist werden, werden da ebenso vorgestellt wie Panzer mit biodiesel-tauglichem Hybridantrieb, U-Booten und Flugzeugträgern mit Windkraft. Ökologische Streubomben sind mit Saaten versehen, die den gesprengten Boden hinterher wieder aufforsten, für jeden durch diese ökologischen Waffen getöteten Soldaten schützt General Systems 1 Quadratmeter Regenwald.

Ökologische Kriegsführung könnte Realität werden

Die Botschaft dieses zynischen Videos ist klar: In der heutigen Zivilgesellschaft ist Verteidigung nur eins von vielen Ressorts, dessen Erfüllung man gerne anderen überlässt, und sich um vermeintlich wichtigere Themen wie den Klimaschutz kümmert. Dabei geraten schon einmal Prioritäten durcheinander.

Umso erstaunter war ich, dass ich am gleichen Tag diese Meldung las, in der eins der im Video genannten Projekte tatsächlich Realität werden soll: Die US Army hat eine Ausschreibung laufen, in der sie nach biologisch abbaubaren Kampfstoffen sucht, so genannten bio degradables. Das könnte etwa Munition sein, die mit Saaten gespickt ist, nach kurzer Zeit im Boden ohne Rückstände zerfällt und neue Pflanzen wachsen lässt. Also eben das, was gerade noch im Video satirisch dargestellt wurde. Auch der dort beschriebene Öko-Panzer ist Teil des bereits vor ein paar Jahren vorgestellten Future Combat Systems Program.

Man stelle sich vor, Blindgänger würden nach einiger Zeit im Boden einfach zerfallen und keine Gefahr mehr darstellen, Kugeln den Boden nicht mehr verseuchen. Sicher gibt es höhere Prioritäten. Aber ich denke, die Bevölkerung von Ländern wie Laos, die schon ein Jahrzehnt unter Bombenhagel gelittet haben, wären heute besser dran, hätten sie nicht noch Millionen von scharfen Bomben im Boden.

Etwas, über das es sich ruhig einmal nachzudenken lohnt, auch wenn es natürlich zynisch ist, den Umweltschutz vor Menschenleben zu stellen.

Das Beitragsbild zeigt die fiktive und satirisch gemeinte Kampfdrohne mit Solarzellen. Bild: Bohemian Browser Ballett

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