VW preist beheizbare Frontscheibe an – ist aber nichts Neues und auch lange nicht perfekt

VW preist aktuell eine beheizbare Frontscheibe an, die mit einer durchgehenden Schicht statt Heizdrähten arbeitet. Die so genannte Klimakomfortscheibe soll aber nicht nur Eiskratzen vorbeugen, sondern auch im Sommer Hitze fernhalten. Ganz neu ist sie allerdings nicht.

Volkswagen kann gute Presse in Mitten des Abgasskandals und seiner Folgen dieser Tage gut gebrauchen. Was wäre da besser als Innovationen? So preist der Wolfsburger Automobilkonzern in dieser Woche eine beheizbare Frontscheibe an.

Anders an der Klimakomfortscheibe ist, dass sie mit einer durchgehenden Silberschicht arbeitet statt mit Heizdrähten. Letztere würden in anderen beheizbaren Frontscheiben im Abendverkehr oder bei tiefstehender Sonne sichtbar. Nicht so die leitfähige, dünne Silberschicht in der Klimakomfortscheibe. Ein weiterer Vorteil: Sie soll nicht beschlagen.

Ford mit beheizbaren Frontscheiben seit 1985

In der Klimakomfortscheibe soll eine stattliche Leistung von maximal 400 bis 500 Watt die Scheibe binnen kürzester Zeit erwärmen und damit beim Abtauen helfen. Vorausgesetzt, die Autobatterie spielt mit. Weitere Heizdrähte im unteren Teil der Scheibe sollen gleichzeitig die Wischblätter abtauen. Ein weiterer Vorteil laut Volkswagen: Die Silberschicht wirkt auch als passiver Sonnenschild. Sie könne bis zu 60 Prozent der Sonnenwärme reflektieren und damit an heißen Tagen die Innentemperatur um bis zu 15 Prozent senken. Verfügbar für viele Volkswagenmodelle. Kostenpunkt: ab 340 Euro.

Volkswagen weist zu Recht darauf hin, dass beheizbare Frontscheiben keine neue Erfindung sind. Die Wolfsburger selbst bieten die Klimakomfortscheibe seit einigen Jahren an. Nur der aktuelle Winter dürfte VW veranlasst haben, die Scheibe noch einmal ins Gespräch zu bringen. Das Patent der Version mit Heizdrähten geht derweil auf Ford und das Jahr 1985 zurück. Der Hersteller bietet diese auch heute noch an und wirbt in einem Werbespot stolz damit:

Dass sich die Frontscheibenheizung in den vergangenen 30 Jahren nicht recht durchgesetzt hat, hat neben Fords Patent auch andere Gründe. So soll der Empfang für Funkanwendungen im Innenraum des Autos durch die Heizdrähte erschwert sein, die wie ein Faradayscher Käfig wirken. Die Benutzung von Handy, Navi oder Transpondern für Mautsysteme ist dann nicht mehr möglich.

Selbstfahrende Autos wohl eher da als eisfreie Frontscheiben

Dass die dünnen Drähte in der Abenddämmerung oder bei starkem Sonnenlicht sichtbar werden, spielt sicher auch eine Rolle. Und nicht zuletzt dürften die Kosten für 200 bis 400 und noch mehr Euro je nach Hersteller und Modell für preisbewusste Kunden nicht unerheblich sein. Zumal so ein Auftauen ja auch mit beheizbarer Scheibe noch einige Minuten dauert. Und dann ist natürlich noch die Frage, ob eine Standheizung nicht sinnvoller sein kann. Denn sie taut nicht nur die Frontscheibe auf, sondern alle anderen Scheiben auch, während sie den Innenraum gleich mit aufwärmt.

Dennoch: Es ist verwunderlich, dass ein derart weit verbreitetes Problem wie eine vereiste Frontscheibe heute noch nicht technisch gelöst ist. Noch besser als eine Frontscheibenheizung wäre natürlich eine Scheibe, die mit entsprechender Beschichtung oder Oberflächenstruktur gar nicht mehr vereist. Aber hier wartet man nach wie vor auf eine geniale Lösung für den Massenmarkt – selbstfahrende Autos wird es verblüffenderweise vermutlich eher geben.

via Trendsderzukunft. Bild: Volkswagen

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