Water-Gen Genius will Trinkwasser aus der Luft gewinnen, braucht dafür aber eine Steckdose

Das israelische Unternehmen Water-Gen will nach erfolgreichen Tests mit dem US-Militär einen Apparat auf den zivilen Markt bringen, der Trinkwasser aus der Luft gewinnt. Genius funktioniert allerdings nur in feucht-warmen Klimazonen, schafft nur eine begrenzte Menge an Wasser und hat einen entscheidenden Nachteil: Man benötigt einen Stromanschluss dafür.

Feuchte Luft kondensiert und gibt Wasser ab

Die Idee von Water-Gen ist nicht neu und wird in Israel schon seit Jahrhunderten angewendet: Dort, wo es besonders trocken ist, gewinnt man Trinkwasser mitunter aus der Luft. So lassen sich Morgentau oder feuchtwarme Luft nahe der Küsten kondensieren. Das Prinzip ist eigentlich einfach: Warme Luft über 20 Grad Temperatur kann mehr als ein Dutzend Milliliter Wasser pro Kubikmeter Luft speichern (vorausgesetzt, es ist in der Gegend entsprechend feucht). An kalten Gefäßen kondensiert diese Luft. Das Wasser schlägt sich nieder. Bekannt ist dieses Prinzip jedem, der an einem heißen Sommertag schon einmal eine kühle Flasche Bier oder Limo in der Hand hatte. Sie wird von außen feucht.

An heißen Tagen kondensiert Wasser an kühlen Objekten wie einer Bierflasche. Bild: Mountain/ \Ash unter CC-Lizenz BY 2.0
An heißen Tagen kondensiert Wasser an kühlen Objekten wie einer Bierflasche. Bild: Mountain/ \Ash unter CC-Lizenz BY 2.0

So passt es, dass das junge Unternehmen Water-Gen aus Israel stammt. Der Apparat namens Genius wurde bereits vom Militär verschiedener Länder getestet, darunter der US Army in Mittelamerika. Nun ist ein ziviler Einsatz geplant, etwa in Schulen, Dörfern oder Krankenhäusern oder für gut betuchte Familien. Derzeit wird die Technik laut „Technology Review“ noch in Städten wie Mumbai oder Mexiko-Stadt getestet, bevor sie dann Ende 2017 auf den Markt kommen soll.

Steckdose nötig, dann bis zu 2 Liter Wasser die Stunde möglich

Der Water-Gen Genius soll mit Plastikrippen arbeiten. Was zurück bleibt, ist neben Kondensat buchstäblich heiße Luft. Der Genius arbeitet damit ähnlich wie ein Wäschetrockner: heißer Luft wird die Feuchtigkeit entzogen. Laut Water-Gen ist der Genius der effizienteste Apparat seiner Klasse mit einem Wirkungsgrad von 3,35, was vier- bis fünfmal leistungsfähiger sei als Konkurrenzprodukte. Pro Liter würden 300 Wattstunden (Wh) benötigt. Die Größe des jeweiligen Genius-Apparats sei skalierbar. Pro halbem Meter Oberfläche könne die Technik bei einer Lufttemperatur von 26,7 Grad Celsius und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit 2 Liter Wasser pro Stunde gewinnen.

Wirkungsprinzip des Water-Gen Genius. Bild: Water-Gen
Wirkungsprinzip des Water-Gen Genius. Bild: Water-Gen

Das klingt nicht nach besonders viel und zeigt die Problematik der Trinkwassergewinnung aus der Luft: Der Wirkungsgrad ist begrenzt. Nicht erleichtert wird das Prinzip dadurch, dass nicht selten zwei Probleme gleichzeitig auftreten: Regionen mit schlechter Trinkwasserversorgung sind häufig auch Gebiete mit schlechter Stromversorgung. Da Genius aber Strom braucht und auch einiges an Energie zieht, dürften für den Einsatz nur Gebiete in Frage kommen, die infrastrukturell zumindest teilweise erschlossen sind.

Trinkflasche Fontus füllt sich selber auf

Das Prinzip erinnert mich an die sich selbst auffüllende Trinkflasche Fontus Airo, über die ich vor einigen Jahren einmal schrieb. Diese wird an einen Rucksack oder ein Rennrad (Fontus Ryde) gehängt und von einer Batterie oder Solarzellen gespeist. Der Strom wird dazu eingesetzt, Metallstäbe zu kühlen, an denen Wasser aus der Umgebungsluft kondensiert. Das ganze funktioniert überhaupt erst ab etwa 20 Grad Außentemperatur. Und die Kollegen von Gadget-Rausch haben errechnet, dass Fontus bei optimalen Bedingungen 30 bis 60 Milliliter Wasser pro Stunde gewinnen kann. Das ist ein Tropfen auf einen heißen Stein, wenn auch technisch allemal bemerkenswert. Fontus-Gründer Kristof Retezar hat die beiden Flaschen mittlerweile erfolgreich über eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo finanziert. Zwar war ein Marktstart für April 2017 anvisiert, in Updates zur Kampagne allerdings ist von Schwierigkeiten zu lesen. Trivial ist die Kondensationstechnik nicht.

Eine ganz ähnliche Technik wie die Water-Gen Genius versprach einst der kanadische Hersteller Element Four. Dessen Produkt WaterMill WM-200 sollte bis zu 12 Liter Wasser am Tag gewinnen können (bei mindestens 60 Prozent Luftfeuchtigkeit). Die Website allerdings wurde seit 2011 nicht mehr aktualisiert. Suche nach Preisen oder Verfügbarkeit der offenbar eingeschlafenen Technik führen ins Leere.

Wassergewinnung aus der Luft nur in wenigen Regionen sinnvoll möglich

Laut Technology Review arbeitet auch der Ingenieur Edgar Rodríguez von der Universidad Nacional Autónoma in Mexiko an einer Technik, in der ein schwarzer, von der Sonne beschienener Kamin Wasser aus der Luft gewinnt. Bis zu 100 Liter am Tag sollen dabei zusammenkommen. Die Wirtschaftswoche berichtete noch in diesem Sommer von Wassergewinnung durch Nanostäbchen in Textilien. Wissenschaftler am Pacific Northwest National Laboratory forschten an einer solchen Technik.

Fontus Airo Funktionsweise. Bild: Fontus
Fontus Airo Funktionsweise. Bild: Fontus

Water-Gen Genius und die anderen hier genannten werden nicht die einzigen Projekte derart weltweit sein, und doch haben alle eins gemeinsam: Sie funktionieren nur bei hoher Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit, sie benötigen viel Energie – sei es in Form von Sonnenenergie oder elektrischer Energie. Und ihr Wirkungsgrad ist begrenzt. Der Anspruch ist edel, aber es steht zu befürchten, dass die Technik jeweils wenig Wasser liefert und nur in wenigen Regionen weltweit überhaupt sinnvoll eingesetzt werden kann. Überall sonst scheint es sinnvoller, andere Methoden der Trinkwassergewinnung einzusetzen.

Beitragsbild: Water-Gen

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