Watson: Künstliche Intelligenz macht Mitarbeiter einer japanischen Versicherung überflüssig

IBMs künstliche Intelligenz Watson war eigentlich dazu erschaffen worden, um der Menschheit zu dienen. In einer japanischen Versicherung wird sie jetzt aber dazu eingesetzt, um Personal abzubauen. So war das eigentlich nicht gedacht.

Oft denkt man ja: Diese künstlichen Intelligenzen sind noch nicht so weit und wenn, dann ersetzen sie nur monotone Jobs, die ohnehin keinen Spaß gemacht haben. Offenbar falsch gedacht, denn in Japan streicht eine Versicherung 30 Prozent der Stellen im Rechungswesen, nachdem dort eine künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt.

Diese soll auf den IBM-Superrechner Watson basieren und laut der englischsprachigen japanischen Tageszeitung „The Mainichi“ analysieren und interpretieren wie ein Mensch. 132.000 Abrechnungen, wie sie im Jahr 2015 bei Fukoku angefallen sind, soll die KI schaffen und dabei auch individuelle Klauseln kennen.

Generell hat die KI den Auftrag, Krankenakten, Rezepte und Krankengeschichten auszuwerten und daraufhin eine Einschätzung zu liefern, wie mit dem Fall zu verfahren ist. Zunächst hat hier immer noch ein menschlicher Mitarbeiter das letzte Wort, der die endgültige Entscheidung trifft. Noch. Denn die Robotik ist lernfähig und wird auch aus diesen Entscheidungen lernen.

Wie The Mainichi weiter schreibt, setzen auch andere japanische Versicherungshäuser künstliche Intelligenz ein, darunter Nippon Life Insurance und Dai-ichi. Dort sei aber bislang nichts über Entlassungen bekannt. Auch Japan Post Insurance will im Frühjahr 2017 eine künstliche Intelligenz einführen.

Watson: Semantische Suchmaschine, die dem Menschen eigentlich dienen soll

Die künstliche Intelligenz Watson ist nach dem ersten IBM-Präsidenten Thomas J. Watson benannt und eigentlich eine semantische Suchmaschine mit natürlicher Sprachverarbeitung, die vor allem in der medizinischen Diagnostik zum Einsatz kommen sollte. Bekannt wurde das Programm vor allem im Jahr 2011, als es zwei frühere Sieger in der TV-Quizshow Jeopardy schlug. Auf dieses Szenario hatten die Watson-Entwickler jahrelang hingearbeitet.

Watson soll dem Menschen eigentlich dienen – auch beim Shopping.
Watson soll dem Menschen eigentlich dienen – auch beim Shopping.

Auf der Website zum Watson-Projekt hebt IBM die Möglichkeiten hervor, bei denen Watson der Menscheit dient. So könne Watson Ärzten helfen, Krebs zu bekämpfen, in der Wirschaft könne Watson helfen, Kunden besser zu verstehen. Watson könne Diabetes-Patienten bessere Vorhersagen liefern oder individuelle Lernmethoden für jedes Kind entwickeln. Und vieles, vieles mehr, wie IBM auch in diesem Promovideo zeigt:

Das alles ist auch beachtlich und der Menschheit dienlich. Aber das Beispiel der japanischen Versicherungswirtschaft zeigt sehr deutlich, dass künstliche Intelligenz auch Schattenseiten hat. Schon immer hat Technik Arbeitsplätze auf der einen Seite vernichtet, während anderswo neue entstanden sind. Diesmal steht die Befürchtung, dass gar keine neuen Arbeitsplätze mehr entstehen. Wovon sollen die Menschen dann leben?

Weiche Faktoren wichtig

Und auch nur diesen speziellen Fall der Versicherungswirtschaft betrachtet, hinterlässt diese Meldung ein ungutes Gefühl. Gerade beim Thema Gesundheit geht es auch um Ethik und Würde. Menschen entscheiden hier über Schicksale und lassen hierfür auch weiche Faktoren, nicht nur Fakten einfließen. Ist eine Maschine dazu im Stande?

Und die Moral von der Geschicht: Wir haben die Büchse der Pandora geöffnet, jetzt müssen wir auch damit leben und die Technik dahin führen, dass sie uns dient und uns nicht abschafft. Watson, so scheint es, kann für beides eingesetzt werden.

via Cebit Blog, Bilder: IBM

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